Reportage – Zabaleen | die Müllsammler von Kairo

15. April 2019

Reportage – Zabaleen | die Müllsammler von Kairo

Reportage – Zabaleen | die Müllsammler von Kairo

Ein Großteil des Abfalls in Kairo wird traditionell von den Zabaleen, den Müllsammlern aufgesammelt. In der zirka 20 Millionen Einwohner zählenden ägyptischen Hauptstadt Kairo fallen unvorstellbare Mengen an Müll an, bis zu 10.000 Tonnen sind es täglich.

 

Dies ändert sich jedoch zunehmend. Die Regierung plant, die Müllentsorgung großflächig besser zu organisieren und sie vollständig in die Hände privater Entsorgungsunternehmen zu legen.

 

Das Ende der Müllsammler

Für die Zabaleen ist dies ein Drama, denn sie leben vom Abfall. In den Außenbezirken am Rande der Stadt sortieren sie täglich tonnenweise Müll, den sie dann wiederverwerten. Frauen und Mädchen suchen die weggeworfenen Lebensmittel aus dem Müll, um damit die Tiere zu füttern. Die Männer und Jungen trennen alle restlichen Stoffe fein säuberlich voneinander und verkaufen sie wieder. Durch ihre Arbeit recyceln die Zabaleen fast 85% des anfallenden Mülls in Kairo – der weltweite Durchschnitt liegt bei 32%.

Natürlich dominieren Abfallhaufen, Blechhütten, Fäulnisgestank und Fliegenschwärme das Bild in ihren informellen Siedlungen, die die Regierung als Schandflecke empfindet. Es gibt keine Wasser- oder Stromversorgung hier in den Müllsammler-Vierteln, der verwesende Müll lässt schädliche Stoffe ins Grundwasser sickern, das wiederum den Einwohnern als Trinkwasser dient.

 

Harte Arbeit

Das Leben in den Siedlungen ist hart. Die etwa 60.000 Männer, Frauen und Kinder, die hier leben sind gezeichnet von den schlechten Lebensbedingungen, dennoch haben sie sich eine eigene Existenz aufgebaut. Mangelnde Hygiene lässt Krankheiten entstehen. Gestorben wird hier früh, die durchschnittliche Lebenserwartung der Zabaleen liegt bei 50 Jahren.

Tag für Tag ziehen die Müllsammler Kairos von Haustüre zu Haustüre und laden ihren Müll auf Eselskarren oder Pick-Up-Ladeflächen. Zurück im Müllsammlerviertel wird die Ausbeute per Hand sortiert und dann fein säuberlich getrennt an Händler verkauft, die das Material dem Recycling-Kreislauf zuführen.

Allerdings ist diese Tätigkeit seit 2003 illegal. Die Einwohner Kairos sollen jetzt ihren Abfall in weit entfernte Müllcontainer bringen, wo ihn dann große Müllfahrzeuge abholen. Sortiert wird nichts mehr. Die Laster kippen den Abfall auf große Müllhalden und haben damit ihren Auftrag erledigt.

Quelle: www.59plus.de

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