James (Allen) Nachtwey

fotograf

Einleitung

"Könnten wir alle das miterleben, nur ein Mal, würden wir verstehen, dass nichts es rechtfertigt, einem Menschen so etwas anzutun, geschweige denn Tausenden."

— James Allen Nachtwey
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Warum fotografiere ich Krieg? Kann Fotografie etwas ausrichten gegen ein menschliches Verhalten, das es immer gab? Eine völlig lächerliche Vorstellung, sollte man meinen. Doch genau diese Idee motiviert mich.
Die Stärke der Fotografie liegt darin, ein Gefühl für Humanität zu wecken. Krieg ist das Ende der Verständigung und Fotografie vielleicht das Gegenteil davon. Ein Gegengift in Form von Verständigung.
Wenn jemand wie ich in den Krieg zieht, um alle Welt wissen zu lassen, was da wirklich geschieht, versucht er, Frieden auszuhandeln. Vielleicht haben die Kriegstreiber deshalb so ungern Fotografen dabei.
An der Front ist alles sehr direkt. Nicht wie ein Foto in einer Zeitschrift, schön weit weg, neben einer Anzeige für “Rolex” Uhren. Man sieht fürchterlichen Schmerz, Unrecht und Elend. Könnten wir alle mit eigenen Augen sehen, was Phosphor mit dem Gesicht eines Kindes macht, wie weh eine einzige Kugel tut oder wie ein Granatsplitter einem das Bein abreißt. Könnten wir alle das miterleben, nur ein Mal, würden wir verstehen, dass nichts es rechtfertigt, einem Menschen so etwas anzutun, geschweige denn Tausenden.
Aber es können nicht alle da sein, deshalb gehen Fotografen dort hin, um aufzuzeigen und aufzuhalten, was dort passiert.

Um wahrhaftige Bilder zu schaffen gegen die beschönigenden Massenmedien und um Leute wachzurütteln. Um zu protestieren und so andere zum Protest aufzurufen.

Leben vor der Fotografie und Bildung

  • Geboren am 14. März 1948 in Syracuse, N.Y.
  • hat noch 2 Brüder, James Allen ist der mittlere
  • aufgewachsen in Massachusetts
  • Studium der Politikwissenschaft und Kunstgeschichte am Dartmouth College, Abschluss 1970
  • während dem Studium: Fotografien aus Vietnam motivierten ihn, Kriegsfotograf zu werden.

Karrierebeginn

Bewährungsprobe

  • fuhr als Fernfahrer auf Schiffen die Küste von Nord und Südamerika – um Durchhaltevermögen in einer Männerdomäne zu testen
  • heuerte bei NBC als Kamera- Lehrling an
  • danach folgten kleine Jobs in Bosten für “Time” – arbeitete 4 Jahre in Neu-Mexiko an lokalen Themen

 

Einstieg zum Reportagefotografen

  • 1976 – Start als Fotograf beim Albuquerque Journal
  • Umzug nach New York, 1980, für eine Karriere als freiberuflicher Zeitschriftenfotograf
  • 1981: erster international beachteter Auftrag: Berichterstattung über Unruhen in Nordirland

Durchbruch und Arbeit

  • späte 1980er Jahre: Durchbruch mit Dokumentation von Konflikten in El Salvador und Nicaragua
  • Vertragsfotograf des TIME-Magazins seit 1984
  • Arbeit für Black Star (1980-1985)
  • Mitglied bei Magnum Photos (1986-2001)
  • Gründungsmitglied der Fotokooperative VII
  • Deckte soziale Probleme und bewaffnete Konflikte weltweit ab

Fotostil

früher:

  • möglichst authentrisch und eher in Farbe

 

heute:

  • schwarzweiß, Bilder strahlen eine merkwürdige Distanz und Ruhe aus

persönliche Eigenschaften

  • stets bedächtiger Tonfall
  • sparsame Bewegungen
  • Antrieb: “Ich werde mit meinen Bildern Menschen überzeugen!”
  • entspannt
  • fröhlich
  • romantiker
  • Haare gescheitelt
  • Jeans mit Bügelfalte
  • Hemd makellos sauber
  • nie hektisch – immer ruhig und bedacht
  • “pushing the limits” – immer wieder – das ist seine Arbeitsweise
  • redet nicht selbstständig über die Situationen in Kriegsgebieten
  • selbst auf Nachfrage, hat er immer erst seine Bilder angesehen und entwickelt

Besondere Berichterstattungen

  • Dokumentation der ersten Wahlen in Südafrika ohne Rassenunterschiede, 1994
  • Berichterstattung über den 11. September 2001 in New York
  • Fotografischer Essay über Zivilisten im Sudan-Konflikt

Ausstellungen und Sammlungen

  • Nachtwey´s Fotografien in permanenten Sammlungen renommierter Museen weltweit
  • Einzelausstellungen u.a. in New York, Paris, Rom, Madrid, Amsterdam
  • 2x World Press Photo Preis
  • 4x Robert-Capa Goldmedaille
  • 6x Magazin Fotograf des Jahres
  • weitere Zahlreiche Auszeichnungen

zur Debatte

"Das Schlimmste ist das Gefühl, dass ich als Fotograf von der Tragödie eines anderen profitiere. Dieser Gedanke quält mich. [...] Der einzige Weg, wie ich meine Rolle rechtfertigen kann, ist der Respekt vor der Notlage der anderen Person. In dem Maße, in dem ich das tue, werde ich von dem anderen akzeptiert. Und in diesem Maße kann ich auch mich selbst akzeptieren.

— James Allen Nachtwey